was fehlt (VIII), 2026

Was fehlt (VIII), 2026
Spuren der Nähe – Käthe Kollwitz im Dialog mit zeitgenössischer Fotografie, Kunstsammlungen Chemnitz
60 x 88 x 5 cm, Plexiglas, Gips, digitalisierte Fotografie

Mich interessiert das, was fehlt.
Meine Recherche lenkt den Blick auf die Lehrstellen in Kollwitz’ plastischem Werk. Sie wirft Fragen zur Beziehung zwischen Fotografie und Skulptur auf, die beide zentrale Bestandteile meiner künstlerischen Praxis bilden und sich in meinen Installationen gegenseitig bedingen. Mein Interesse richtet sich hierbei immer wieder auf Themen wie Abwesenheit, blinde Flecken, das Ungesehene und den Versuch, eine physische Form für das zu finden, was nicht mehr existiert.

Im Hinblick auf Käthe Kollwitz ist bekannt, dass von über 40 plastischen Arbeiten nur noch etwa 15 Skulpturen erhalten sind. Die fehlenden Skulpturen sind zum einen von Kollwitz selbst – aus Platzmangel, Pragmatismus oder Unzufriedenheit – zerstört worden, zum anderen durch Bombenangriffe während des Zweiten Weltkrieges. Manche Plastiken versuchte Kollwitz zu retten, vergrub oder versteckte sie, ließ sie fotografieren oder nahm sie mit auf die Flucht. Es ist vor allem dem Überleben der Fotografien und Tagebücher zu verdanken, dass wir heute ein Verständnis für das Gesamtwerk erlangen können. Dennoch muss erwähnt werden, dass unsere Kenntnisse über die Fehlstellen auf Vermutungen basieren, auf rekonstruierten Nummerierungen im Werkverzeichnis, und eine Dunkelziffer verbleibt.

Es stellt sich die Frage, welchen Stellenwert die fotografische Dokumentation und das Fehlen von Physischem in Zukunft einnehmen und wie man den Umfang des Verworfenen und Zerstörten bewerten wird.)

„Mache eine Photographie von ihr und mache sie kaputt, denn sie nimmt mir zu viel Raum, um eine neue Arbeit anzufangen brauche ich Platz. Gelernt habe ich viel an ihr.“ (Käthe Kollwitz, 1913)

„Fotos sind nie ein Ersatz für die Originalarbeiten. Außerdem geht es jedem Schaffenden so, daß er mitunter meint, seine Arbeiten seien schlecht und doch sieht er später, daß es ein Irrtum war und daß es voreilig gewesen wäre, dies oder das zu vernichten.“ (Käthe Kollwitz, 1942)„Mache eine Photografie von ihr und mache sie kaputt …“ (Käthe Kollwitz, 1913)