
exhibition shot, solo exhibition and diploma show, Vinzenz, Vienna
ABOUT THE EXHIBITION
Die Ausstellung ist ein erster Versuch, sichtbar zu machen, was sich hinter dem Begriff Alignment* verbirgt.
Hierbei lassen sich drei Schritte unterscheiden:
1. Recherche
2. Formfindung
3. Gedanken als Form
Die Recherche nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein und liefert die Narration zu den physischen Arbeiten im Raum. Deutlich wird die Recherche vor allem im artist book (workbook), das den Betrachter:innen einen ersten Einblick in Alignment ermöglicht. Ausgehend vom workbook spannt sich ein Netz aus Bildern und Gedanken auf, die vom Schwarmverhalten, über die Zahnmedizin, zur KI, zum Wort, zum Bild, zum Paper Clip, zur Form wandern. Diese Gedanken werden als unkontextualisierte Platzhalter im workbook gebündelt.
Im Verlauf der Ausstellung finden mehrere „Lesungen“ statt, die Besucher:innen ermöglichen, die Gedankengänge hinter den Platzhaltern nachzuvollziehen und der Entwicklung der physischen Form zu folgen. Neben diesen Lesungen, die eine Zwischenform zwischen Lecture Performance und Lesung darstellen, hat Jana Ehls ein Begleitbuch verfasst, das das workbook durch geschriebene Gedanken ergänzt.
Das workbook steht im direkten Dialog mit den physischen Arbeiten im Raum. Diese lassen sich in drei Werkserien unterteilen, die Kerngedanken der Recherche verbildlichen. Alle drei Werkserien stellen sich der Frage nach der Form von Alignment. Sie stoßen hierbei an Grenzen und verdeutlichen, die Herausforderung, eine Form für etwas zu entwickeln, das keine (eigene) hat, und sich immer nach etwas anderem richtet [Alignment als Ausrichtung].
Ehls entscheidet sich, diesen Entwicklungsprozess mit den Ausstellungsbesucher:innen zu teilen und ihn in seiner Mehrstufigkeit (Fassungen) darzustellen. Immer wieder werden die einzelnen Werke im Raum neue installiert, positioniert und ausgetauscht [Konzept der Anordung]. Diese Handlungen betrachtet Ehls hierbei als Gedanken. Das Denken, Nachdenken und die Entstehung von Gedankengängen wird auf diese Weise für die Betrachter:innen sichtbar.
*Ausgehend von der Wortherkunft beschreibt Alignment ein allgemeines Konzept der Ordnung, das sich u.a. mit Ausrichtung oder Anpassung übersetzen lässt und in vielfältigen Bereichen Anwendung findet.
FIRST THOUGHTS / GEDANKEN
Wie kann es sein, dass Vögel im Schwarm nicht aneinanderstoßen?
Und was haben Zahnschienen mit der Ethik von KI zu tun?
Ausgehend von der Wortherkunft beschreibt Alignment* ein allgemeines Konzept der Ordnung, das sich mit Ausrichtung oder Einreihung übersetzen lässt und in vielfältigen Bereichen Anwendung findet. Die Zähne werden mit Alignern in den Kieferbogen eingereiht, der Vogel in den Schwarm, das Haus nach dem Lot, das Abweichende ins Gefüge.
Aus heutiger Sicht wird das Wort Alignment vor allem im Kontext von KI immer lauter: beim sogenannten Alignment-Problem. Dieses beschreibt die Herausforderung, KI nach ethischen Maßstäben auszurichten. Das Problem verdeutlicht, dass Alignment auch immer suggeriert, dass es Misalignment geben muss. Schnell stellt sich die Frage nach einer Trennlinie, und danach, wer oder was definiert, wo diese gezogen wird. In meiner künstlerischen Auseinandersetzung geht es jedoch weniger um die konkrete Grenze, sondern viel mehr um den Toleranzbereich, das Annähern und Ausreizen und darum, eine Form für etwas zu finden, das keine (eigene) hat.
Wie viel Widerstand hat eine Büroklammer
und wie viel Misalignment braucht ein Schwarm?


artist’s book, 33 x 35 x 8 cm, 240 pages
RECHERCHE
Das workbook ist das Ergebnis einer einjährigen Recherche zu Alignment. Es lässt sich als eine Sammlung von Platzhaltern verstehen, die entscheidende Erkenntnisse in der Untersuchung von Alignment verbildlichen. Hierbei geht es vor allem um die Auseinandersetzung mit dem, was sich hinter dem Begriff verbirgt, der Systematik, mit der sich Themen aufspannen und bis zu einem bestimmten Grad auch darum, wie sich Gedankengänge formen. Es geht um die Komplexität, die Ordnung, das Abzweigen und das Vor- und Zurückbewegen von Überlegungen, das neuronale Verschalten und die Frage danach, ob unsere Gedanken aligned oder unaligned sind.
Vielleicht ist die Arbeit auch ein Versuch die Form von Recherche sichtbar zu machen, in ihrer Verwobenheit und Ausuferung. Letztlich ist das workbook das im Kleinen, was Alignment im Großen ist: Ein übergreifendes Konzept der Ordnung



FORM FINDEN
Es ist eine Herausforderung, eine physische Form für etwas zu finden, das sich immer nach etwas anderem richtet. Vielleicht wird Alignment daher eher im Toleranzbereich sichtbar: Da, wo Alignment in Misalignment kippt. Wenn wir Alignment mit Ausrichtung und Anpassung übersetzen, dann ist es die Suche nach dem Übergang zu Fehlverhalten [4,5] und Fehlausrichtung [6].

Werkserie 1
Alignment, Werkserie 1:
Soda Zitron, Marmor, Zitronensaft, 15 x 30 cm x. 45
Es gehört zu den Dingen, die man als Kind häufig nicht lernt: Warum man kein nasses Glas auf einen Marmortisch stellen sollte und wie Erosion bei Zähnen entsteht.



Werkserie 2
Paper Clips
1. Fassung: Büroklammern, Tape, Fachboden, Holz // 2. Fassung: Büroklammern, Tape
Das Alignment-Problem führt uns zu dem Gedankenexperiment des Paper-Clip-Maximizers, zum Paperclip als Symbol des Widerstands (paperclip resistance) und der Verschwörung (operation paperclip), und einer langen Suche nach der Form und Ermüdung des Materials.

solo exhibition and diploma show, Vinzenz, Vienna




Werkserie 3
Alignment III (Tubes)
Vakuumröhren, Stahl, 180 x 6,2 cm x 8 / 32
Wenn man sich von den eigentlichen Vorgaben zur Ausrichtung (0° Azimut, 35° Neigung) löst und die Vakuumröhren nach Zahnachsen ausrichtet, spricht man dann schon von Fehlausrichtung (Misalignment)?


